Konstruktionsparameter X-Werte

Die Verwendung der Konstruktionsparameter X-Werte und die daraus resultierenden vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten sind eine der herausragenden Besonderheiten von Grafis. Der Einsatz von X‑Werten erlaubt das Erstellen von Modellvarianten oder Trendanpassungen allein durch nachträgliches Ändern der X‑Werte. Die interaktiven Konstruktionen und Werkzeugen enthalten eine sehr große Zahl an X-Werten und bleiben so auch nachträglich veränderbar.

X-Werte sind größenabhängige Konstruktionsparameter, deren Zahlenwerte in X-Wert-Listen abgelegt sind und beispielsweise für Längen, Abstände, Radien oder Winkel stehen. X-Werte können nach Fertigstellung eines Modells jederzeit geändert werden. Dadurch ist eine sehr effektive nachträgliche Modifikation des Modells möglich.

Es werden drei X-Wert-Typen unterschieden:

  • die X-Werte des Konstruktionsprotokolls und
  • die X-Werte aller Teile (globale X-Werte).
  • die X-Werte nicht-interaktiver Grundkonstruktionen, die in der Grafis-Fachsprache programmiert wurden.

Diese Unterscheidung betrifft den Geltungsbereich des jeweiligen X-Wert-Typs. Die Anwendung der X-Werte ist für alle Typen identisch und wird anhand der X-Werte des Konstruktionsprotokolls erarbeitet.

Die X-Werte der interaktiven Konstruktionen sind nur in der Schleppumgebung veränderbar und in der X-Wert-Liste ausgeblendet.
Schrittfolge
  • Öffnen der X-Wert-Listen aus dem Pull-Down-Menü Extras über X-Wert-Liste... oder aus der SteuerungsleisteX-Wert-Liste
  • Auswählen der Liste: (global oder aktives Teil)
  • Auswählen der Karteikarte Werte des Teiles
  • größenbezogenen X-Wert eintragen und ändern

X-Werte des Konstruktionsprotokolls

Die X-Werte des Konstruktionsprotokolls werden vom Nutzer selbst definiert und während des Konstruierens eingebunden. Der jeweilige Konstruktionsschritt bleibt damit nachträglich veränderbar.

Überlegen Sie vor Beginn der Konstruktion, wo der Einsatz eines X-Wertes zur flexiblen Gestaltung des Schnittes sinnvoll ist!

X-Werte des Teils werden beispielsweise verwendet für:

  • Steuerung verwendeter interaktiver Werzeuge über die X-Wert-Liste
  • Koordination innerhalb eines Teils, z.B. Position von Riegeln in Außen- und Innenkopie

X-Werte aller Teile (globale X-Werte)

Globale X-Werte gelten übergreifend für alle Teile des Modells. Sie werden beispielsweise verwendet für:

  • Nahtzugaben Futter/Oberstoff,
  • Weitenzugaben, die auf verschiedenen Teile des Modells angewendet werden sollen
  • Abstände für Markierungen,
  • Korrekturfaktoren für Stretchingeigenschaften.
Die X-Werte aller Teile sind zusätzlich mit einem G (für „global“) gekennzeichnet, wobei große und kleine Buchstaben gleiche Bedeutung haben. Beispiel: XG5 oder xg5.

XG5 steht für den fünften X-Wert der X-Wert-Liste aller Teile. X5 steht dagegen für den fünften X-Wert des Konstruktionsprotokolls des aktiven Teiles. Diese Vereinbarung gilt sowohl für die Verrechnung in Z-Werten als auch für die direkte Eingabe in Zahlenfelder.

X-Werte der Grundkonstruktionen

Zu jeder Grundkonstruktion gehört eine vorbereitete X-Wert-Liste. X-Werte repräsentieren Längen-, Prozent- oder Winkelangaben, die gemäß der jeweiligen Konstruktionsvorschrift variabel sind, wie beispielsweise Weitenzugaben oder die Lage und Länge der Abnäher. Die Einbindung der X-Werte in die Grundkonstruktion und die Vorbelegung mit einem geeigneten Wert erfolgte bereits durch den Entwickler der Grundkonstruktion. Der Nutzer hat die Möglichkeit, die Grundkonstruktion durch Verändern der X-Werte entsprechend seinen Anforderungen zu modifizieren.

Das Eröffnen neuer X-Werte oder Löschen von X-Werten ist für die X-Werte der Grundkonstruktionen nicht möglich.

Das Fenster X-Werte

Zur Anzeige der gewünschten X-Wert-Liste bietet der Dialog X-Werte folgende Anzeigeoptionen.

Einfügen eines neuen X-Wertes in die X-Wert-Liste:

  • Steuerungsleiste → X-Wert-Liste
  • Auswahl der Liste: (aktives Teil oder global)
  • für aktives Teil: Auswahl der Karteikarte Werte des Teils
  • Anklicken von Neuen X-Wert hinzufügen ; Je Teil können maximal 80 X-Werte eröffnet werden.
  • Doppelklick auf die Kommentarzeile und Eingeben der Bezeichnung des X-Wertes (Achten Sie auf eine gute Kommentierung!)
  • Eingabe des Standartwertes in der Spalte Standardwert und <ENTER>
  • evtl.: Eingaben von größenbezogenen X-Wert-Einträgen in den Spalten für die vorhandenen Größen.
  • evtl.: Löschen des letzten X-Wertes mit letzten X-Wert löschen
  • Beenden mit Beenden

Fortsetzen der Konstruktion und Eingeben eines X-Wertes (Bsp.: X02 oder X0G1) statt eines Zahlenwertes

Liste und Karteikarten

Zu jedem Teil kann eine der folgenden X-Wertlisten angezeigt werden:

  • global (die X-Werte aller Teile) oder
  • die X-Werte des aktiven Teiles. Die Karteikarten enthalten die X-Werte nicht interaktiver Grundkonstruktionen und die X-Werte des Konstruktionsprotokolls.

Wählen Sie durch Anklicken des Karteikartenreiters die gewünschte Liste. Die X-Wert-Listen interaktiver Konstruktionen bleiben ausgeblendet.

Neuen X-Wert anlegen und in der Konstruktion verwenden

Legen Sie ein neues Modell an, holen Sie die Leistenkopie und in ein weiteres Teil die Schuhbasis . Vererben Sie die Linien in ein weiteres Teil.

Öffnen Sie die X-Wert-Liste des Konstruktionsprotokolls über Steuerungsleiste → X-Wert-Liste und wählen aktives Teil. Die Karteikarte Werte des Teils ist aktiv.

Eröffnen Sie durch Anklicken von Neuen X-Wert hinzufügen X-Werte für die Schnallenbreite, die Riemenbreite für den ersten Riemen, den Riemenabstand, und die Riemenbreite für den zweiten Riemen an belegen Sie den Standardwert von x1 mit 18mm, x2 mit 20mm, x3 mit 5mm und x4 mit 25mm. Konstruieren Sie mit Parallele eine Parallele zum oberen Schafteinstieg mit x1. Konstruieren Sie mit x2 eine Parallele zur Ballenlinie und zu dieser Parallele eine Parallele mit dem X-Wert für den Riemenabstand x3. Eine weitere Parallele konstruieren Sie für den zweiten Riemen mit x4.

Ändern Sie den X-Wert und machen einen Probelauf. Speichern Sie diese Übung als „Übung Sandale 2“.

Änderungen der X-Werte werden erst nach Probelauf und Gradieren aktives Teil sichtbar. Bevor ein X-Wert in einem Konstruktionsschritt benutzt werden kann, muss er definiert sein. Ist das nicht der Fall, lehnt Grafis die Ausführung ab.
Ob ein X-Wert als Wert in mm, in Prozent oder in Grad interpretiert wird, hängt von der Funktion ab, in der er benutzt wird. Beim Eintragen des X-Wertes als relative Länge ist der X-Wert ein Prozentwert. Bei Eintragen des X-Wertes als Drehwinkel ist der X-Wert ein Winkel in Grad.

Umlenken eines X-Wertes

X-Werte des Protokolls können auf globale X-Werte umgelenkt werden. Dazu wird in die Kommentarzeile des entsprechenden X-Wertes die Zeichenfolge =>{XG4} ergänzt, hier für das Umlenken auf den vierten globalen X-Wert. Wird diese Zeichenfolge entfernt, gelten wieder die ursprünglichen Werte. In den Produktionsteilen der Grafis-Taschen sind X-Werte für die Nahtzugaben vorgesehen. Sofern Sie in Ihren Modellen die Nahtzugaben beispielsweise über den globalen X-Wert XG02 steuern, dann ergänzen Sie die Kommentarzeile des Nahtzugaben-X-Wertes in den Produktionsteilen der Tasche durch die Zeichenfolge =>{XG2}.